Unterschätzt!

Liebe Apis, liebe Freunde,

zu den Dingen, die wir am meisten unterschätzen, gehört vermutlich das Gebet: Beten scheint tendenziell etwas für kleine Kinder zu sein oder für ziemlich alte Leute. Aber wer mitten im Leben steht und Kraft hat, etwas anzupacken und zu tun – wozu soll der beten? Für schönes Wetter vielleicht? Für gute Noten? Da sollte man doch besser ordentlich lernen! Oder beten für den Weltfrieden? Der ist sowieso nie erreichbar. So nach dem Motto: „Lieber Gott, bitte mach, dass alles gut wird.“ Das scheint vielen doch sehr naiv zu sein. Andererseits geben viele Menschen an, dass sie zumindest gelegentlich beten. Es gibt mehr Menschen in Deutschland, die beten, als solche, die in eine Kirche gehen. Beten heißt auch, das Leben für eine andere Dimension offen zu halten. Eben weil wir nicht alles machen können und nicht alles in der Hand haben. Also beten viele auch gegen ihre Vernunft: für ihre Kinder, für ihre Gesundheit, für Bewahrung und Frieden.

Den Himmel in Bewegung bringen

Bertolt Brecht soll einmal gesagt haben: „Niemand unter den Sterblichen ist so groß, dass er nicht in ein Gebet eingeschlossen werden könnte.“ Recht hat er, finde ich. Es gibt gewiss niemanden, der ein Gebet nicht nötig hätte. Also, lasst uns mit Zuversicht beten. In der Erwartung, dass Gott hört und unser Beten den Himmel in Bewegung setzt. „Das Gebet ersetzt keine Tat, aber das Gebet ist eine Tat, die durch nichts ersetzt werden kann.“ Was der Württemberger Altbischof Hans von Keler so treffend formuliert hat, beschreibt den Zusammenhang von Beten und Handeln. So wie Glaube nicht durch den Verstand oder die Vernunft zu ersetzen ist, ist das Gebet nicht durch unser Tun zu ersetzen.

Wie beten Sie?

Was verbinden Sie mit Gebet? Frust oder Freude, wertvolle Auszeit oder pflichtbewusste Übung, Last oder Lust? Wie beten Sie eigentlich? Wo und wann? – Diese Ausgabe unseres Magazins lädt Sie dazu sein, das Geheimnis des Gebets neu zu entdecken. Dabei bleiben Frusterfahrungen und Enttäuschen nicht außen vor, etwa wenn Gebete unerhört bleiben. Eines rate ich aber vorneweg: Beten Sie! Und Sie werden entdecken, dass Beten froh und frei macht, dass es Sinn hat. Anders als durch Beten werden Sie diesen unterschätzten Schatz nie entdecken.

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

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