Auf ein Wort
Der eine Gottesdienst in vielen Formen
Liebe Apis, liebe Freunde,
der Gottesdienst ist ein großes Thema. Nicht nur weil die Landeskirche 2012 als „Jahr des Gottesdienstes“ ausgerufen hat, sondern weil wir ihn Woche für Woche erleben. Gottesdienst – das ist ja der Ort, wo wir Christen miteinander aufleben in Gottes Gegenwart. Gott redet mit uns durch sein Wort, und wir reden mit ihm durch Gebet und Gesang. Im Gottesdienst kommen die zusammen, die zusammen gehören: der lebendige Gott und seine Kinder. Im Gottesdienst tritt die Gemeinde in Erscheinung. Nirgends sonst wird so elementar deutlich, was die Kirche ist. Gott ruft uns aus der Welt heraus und sendet uns wieder neu zum Dienst in die Welt hinein. Der Gottesdienst ist der Sammlungsort, von dem die Sendung ausgeht.
Zugleich erleben wir längst, dass es den einen Gottesdienst nicht gibt. Es gibt viele Gottesdiente in unterschiedlichen Formen: Jugend- und Zweitgottesdienste, Fernseh- und Mediengottesdienste, Sonntagstreffs usw. Diese gottesdienstliche Vielfalt ist ein Reichtum, der sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Zugleich müssen wir sehen: Schon Martin Luther hat drei Formen des Gottesdienstes unterschieden. Da gab es zunächst die traditionelle lateinische Messe. Daneben führten die Reformatoren die deutsche Messe ein, einen öffentlichen Gottesdienst in deutscher Sprache „vor allem Volk“. Dieser Gottesdienst sollte ein „öffentlicher Anreiz zum Glauben“ sein, denn „die Mehrzahl steht da und gafft“. Luther wollte also ganz elementare missionarische Gottesdienste, die das Evangelium entfalten und zum Glauben einladen. Nach und nach entstanden dafür Gottesdienstordnungen.
Die „dritte Form“ des Gottesdienstes
Dann sprach sich Luther noch für eine dritte Form des Gottesdienstes aus – und zwar für „diejenigen, die mit Ernst Christen sein wollen“. Sie sollen sich in einem Haus versammeln zum Gebet, zum Lesen der Bibel und um Gemeinschaft zu erleben. Hier verortete Luther auch Taufe und Abendmahl. Hier sollten Grundfragen des Glaubens erörtert und entfaltet werden. Diesen Gottesdienst richtete die Reformation noch nicht ein, denn – so sagte Luther: „Ich habe noch nicht die Leute und Personen dazu.“ – Es war der Pietismus, der ausdrücklich daran anknüpfte, als die Versammlungen zu Bibelstunden und Hauskreisen begannen. Denn diese Gemeinschaftstreffen sind nichts anderes als gottesdienstliche Versammlungen, freilich immer bezogen auf den Gottesdienst in der jeweiligen Ortsgemeinde.
Es sollte unser Bemühen sein, dass die Gemeinde immer wieder in einem Gottesdienst zusammenkommt und wir uns nicht verlieren in gottesdienstlichen Subkulturen. Zugleich erleben wir, dass ein Gottesdienst vielfach nicht mehr die Mitte der Gemeinde ist. Viele fühlen sich in dieser Form nicht zuhause. Da ist es gut, dass wir eine Vielfalt an gottesdienstlichen Angeboten haben, die möglichst vielen in verschiedenen Formen eine geistliche Heimat ermöglicht. Das ist eine große Aufgabe für Kirchengemeinden und Gemein-schaften.Seien Sie freundlich gegrüßtIhr
Steffen Kern

