4. Mose 11

Mit dem Herrn auf dem Weg

An was erinnern wir uns?
Vieles halten wir Menschen im Gedächtnis, aber vieles vergessen wir auch. Interessant ist, an was wir uns erinnern – oft an die materiellen Dinge und nicht an Gottes gute Taten. Da sind wir nicht besser als die Israeliten auf ihrem Weg mit dem Herrn durch die Wüste. Vergessen waren die wunderbaren Taten Gottes: die Rettung am Schilfmeer, das Wasser aus dem Felsen und auch das Manna, obwohl es sie doch täglich sättigte. Natürlich ist ihre Vergesslichkeit verständlich, die ständige Unruhe durch das Umziehen, durch die Suche nach Wasser und vielem mehr. Aber sollten nicht die Erlebnisse mit dem Herrn sie und uns zum Vertrauen auf Jesus Christus bringen?
Denn er vergisst nicht! Wir merken es, weil er die Frage der Israeliten („Wer wird uns Fleisch zum Essen geben?“ – 11,4) in V. 18 wortwörtlich wiederholt und auch beantwortet: Er gibt ihnen das ersehnte Fleisch: nicht an einem Tag, sondern einen Monat lang, bis es ihnen zur Nase heraushängt (so 11,20 wörtlich).
Was können wir gegen das Erinnern tun? Mose schrieb sich seine Sachen wohl auf (11,26)!

Wen rufen wir um Hilfe an?
Die vergesslichen Israeliten riefen zu ... Mose (11,2). Sie suchten menschliche Hilfe, anstatt die göttliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Was macht Mose? In V. 11 lesen wir es: Das, was ihn ärgert, das Jammern des Volkes (11,10), das bringt er sofort vor den Herrn. Trotz seiner scheinbaren Überforderung (11,14), trotz seiner Todessehnsucht (11,15) wirft er den Bettel nicht hin, sondern bringt es dem himmlischen Vater.
Im Nachhinein sieht Mose: Gott hat mich getragen (5.Mose 1,31).
An Mose lernen wir den Unterschied zu Jesus Christus: Jesus Christus, dieser Prophet wie Mose (5.Mose 18,15), der kann die Bitten der Menschen nach Wasser (Joh 4,15) und Brot (Joh 6,34) erfüllen! Er macht das, wozu Mose Gottes Hilfe braucht!

Sollte Gottes Hand zu kurz sein?
In der Anfechtung reibt sich Mose an Gott und stellt ihm eine nüchterne Rückfrage (11,21f): Er nennt seinem Herrn die Zahlen, mit wie vielen Menschen er unterwegs ist. Als ob Gott das nicht genau wüsste!
Unser himmlischer Heiland gibt Mose ganz konkrete Antworten: 11,16: Mose soll 70 Älteste sammeln, die ihn bei der Arbeit unterstützen. Aus der Barmherzigkeit Gottes erhält Mose menschlichen Beistand.
11,20+33: Die göttliche Hilfe ist allerdings mit einem erzieherischen Gericht verbunden: Das Erbetene wird zum Ekel; das Leben, das sich der eigenen Lust verpflichtet, wird am Ende mit dem Tod bezahlt (1.Kor 10,5+6).
11,23: Mose sieht jetzt die wunderbare Erfüllung von Gottes Wort:
- Die 70 Ältesten werden mit dem Geist Gottes ausgerüstet. Dieses Geschehen erfolgt unabhängig von Mose; selbst in seiner Abwesenheit bekommen Eldad und Medad (11,26) den Geist Gottes.
- Mose hat einen Wunsch: dass doch das ganze Volk mit diesem Geist ausgerüstet wäre (11,29). Dieser Wunsch wird im Neuen Bund Wirklichkeit: An Pfingsten wird die ganze Gemeinde mit dem Heiligen Geist erfüllt.
- Zuletzt geschieht das Wunder: nicht der Wind, nicht die Wachteln, nicht die Menge. Das alles kann natürlich erklärt werden. Aber dass alle diese Dinge zu der von Gott bestimmten Zeit eintreffen, das ist das Wunder!
Die Hand Gottes ist noch nie zu kurz gewesen. Auch wenn es uns auf dem Weg mit diesem Herrn oft so geht wie Mose, wir fühlen uns überfordert, wir können es nicht allein. Wenn wir uns dann vor den himmlischen Thron begeben, dann sind wir auf dem richtigen Weg.

Fragen:
· Was tun wir gegen die Vergesslichkeit von Gottes Taten an uns?
· Wo bauen wir auf unsere eigene Kraft, anstatt unsere Sache in Gottes Hände zu legen?
· Wo denken wir, dass Gottes Hand zu kurz sei?

Pfarrer z.A. Ulrich Holland, Gomaringen

Impulse zur Veranschaulichung für Kinder und Erwachsene:
· Anspielszene: Eine Familie beim Mittagessen. Ein Kind motzt immer herum ... Wie passt ein Tischgebet dazu??
· Können wir die Israeliten verstehen: Immer nur Manna, immer nur Brot...? Manchmal giert man nach anderem, Besserem. Jeder schreibt ehrlich auf ein Kärtchen, was sein spezielles „Genussmittel“ ist. Kärtchen einsammeln und raten, wer was aufgeschrieben hat.

4.Mose 12

Israel in der Wüste: Ein Volk motzt sich um Kopf und Kragen
Israel hatte die „Fleischtöpfe Ägyptens“ verlassen, und zwar im Vertrauen auf die Zusage Gottes auf ein Land, in dem Milch und Honig fließt. Doch statt des verheißenen Landes gab es zunächst nur Wüste und Manna, und Ernüchterung machte sich breit. Das Alte verlassen, das Neue nicht in Sicht, so lebten sie und verloren jede Perspektive, jede innere Orientierung, statt auf die Wunder der Befreiung zu schauen: die Plagen über Ägypten, mit denen Gott seine Souveränität und seine Erwählung bestätigt hat. Statt auf den Durchzug durchs Schilfmeer zu sehen, mit dem Gott seinem Volk die Freiheit geschenkt hat, verloren sie jede Perspektive und starrten auf den Mangel der Wüste wie das Kaninchen auf die Schlange. Sie verloren das Vertrauen darauf, daß Gott sein Versprechen vom „Einzug in ein gelobtes Land“ wahrmachen würde. Sie begannen, über den Verlust der Sicherheit der Sklaverei mit Gott zu hadern und verscherzten sich in ihrem Trotz den Einzug ins versprochene Land. Erst der folgenden Generation sollte es geschenkt werden.
Vor wenigen Wochen lag ich im Krankenhaus neben einem älteren Herrn. Er erzählte mir, er habe mit Gott gebrochen, denn seine Frau liege seit zwei Jahren im Wachkoma. Im Laufe der folgenden Tage entstand vor mir ein bizarres Lebensbild: Ein Drittel des Jahres war er mit seiner Frau verreist. „Ein Traum von einem Leben“, fuhr es mir immer wieder durch den Kopf. Und was war geblieben? Statt Dankbarkeit für das Geschenkte nur Hadern. Doch so sind wir Menschen offensichtlich: Wir hadern mit Gott über unser kurzes Leben und drohen uns dabei um die Verheißung der Ewigkeit zu bringen. Das Volk Israel in der Wüste zwischen dem Land der Sklaverei und dem verheißenen Land befand sich gleichwohl im Niemandsland. Ähnlich unserer Gesellschaft, nachdem der Traum vom Glück durch Reichtum und Wohlstand, durch Emanzipation und Selbstverwirklichung geplatzt ist und die Verheißungen Gottes gänzlich vergessen scheinen. „Das Wort Gottes ist wie ein fahrender Platzregen. Wo er einmal gewesen, kehrt er nimmermehr zurück. Darum, mein liebes deutsches Volk, ergreife es!“, mahnt Martin Luther. Und es scheint wahr zu sein: Das Abendland als „corpus christianum“, als christliche Gesellschaft ist ihrem Ende nahe. Wie auch die kulturell, wirtschaftlich und wissenschaftlich führende Rolle Deutschlands und Europas in der Welt sich neigt. Da wir den Glauben der Väter, der unserem Land Kraft und Dynamik und eine verläßliche Perspektive in den Wirren der Weltgeschichte gegeben hat, vergessen haben, wir unsere eigene Vergangenheit schlicht vergessen haben, fehlt unserem Land auch die Zukunftsperspektive.
Manche von uns hadern nicht minder mit ihrem persönlichen Schicksal. Wir hadern, nachdem Gott manchen von uns durch Verzicht, Krankheit oder schweren persönlichen Verlust, durch Verletzungen oder auf andere Weise begonnen hat, auf eine andere Zukunft vorzubereiten.

Aaron, Mirjam und wir: Probleme bei der Unterscheidung von Leitungsverantwortung und dienender Mitarbeit
Jeder von uns lebt in verschiedenen Lebensbereichen und Bezügen: Wir sind als eine Person Väter und Ehemänner, Arbeiter und Bezirksbrüder, Jungscharmitarbeiter und Mitglied des Gemeinderates - alles und noch viel mehr in einer Person. Doch die Art ist recht unterschiedlich. Während wir in den einen Lebensbereichen Verantwortung tragen und andere mitarbeiten, ist es so, dass in anderen Lebensbereichen andere das Sagen haben und wir nur einfache Mitarbeiter sind. Der Wunsch, überall nur herrschen und nicht arbeiten, d.h. dienen zu wollen, ist für Luther eine wahrhaft teuflische Versuchung. Wer überall nur regieren will und nirgendwo mehr dienen, der stellt jede Legitimation in Frage. Sollte mir etwa ein Polizist einen Strafzettel anhängen, so spreche ich ihm das Recht dazu ab, wenn er zu Hause Frau und Kinder schlägt. Einem Politiker spreche ich die Politikfähigkeit ab, wenn sich herausstellen sollte, daß seine Frau Werbung für Hundefutter macht, und einem Propheten namens Mose das Recht, Prophet zu sein, weil er den priesterlichen Reinheitsvorschriften (seine Frau war eine unreine Kuschiterin) nicht genügt. Die alte Vorstellung, daß jeder Mensch von Gott ein Mandat für seine Tätigkeit bekommen hat, einen Auftrag, der sich im Muttersein, im Beruf, in einem politischen Mandat, in der Mitarbeit in der Jungschar, am Brüdertisch oder wo auch immer im Gehorsam verwirklicht, mutet uns Menschen des 21. Jahrhunderts fremd an. Jeder möchte überall Bescheid wissen und überall mitreden - eigenartigerweise jedoch am wenigsten in seinem eigenen Arbeitsbereich. Der liegt nur allzu oft brach. Dass Aaron und Mirjam die exklusive prophetische Berufung des Mose in Frage stellen, ist ein Bild für den Zustand unserer Gesellschaft und ebenso unserer Gemeinschaften und Gemeinden.

Mose tritt nicht für sich ein
Es ist nicht die Autorität des Mose als Berufenen, die infrage gestellt wird, sondern im Letzten die souveräne Autorität dessen, der beruft. „Sollte sich Gott in der Berufung des Mose geirrt haben?“ ist die Frage, die durch alle Kapitel zuvor und danach schimmert. Und diese Frage ruft den Berufenden selbst auf den Plan. Gott selbst wehrt jeder Infragestellung seiner souveränen Berufung. Mose hat seine Wange hingehalten, er hat sich nicht gewehrt; ein anderer ist für Mose eingetreten, ein Stärkerer. Wie ist das in unseren Gemeinschaften? Ein Christ sollte sich niemals für sich selbst einsetzen müssen, sondern die Gemeinschaft der Christen tritt für ihn ein. Ein Christ braucht sich nicht für sich selbst und seine Rechte zu verwenden und zu verkämpfen, wenn sich jeder von uns für seinen Nächsten einsetzt und dessen Rechte einklagt. So versteht das Neue Testament die Friedenspflicht der Jünger Jesu und auch Luther für die Gemeinde.

Fragen zum Gespräch:
· Gibt es Zeiten oder Bereiche in meinem Leben, an die ich nur mit Bitterkeit denke und das Ziel dieser Zeiten und das Ziel meines Lebens aus den Augen verliere oder gar ablehne? Versöhnung mit der eigenen Biographie ist für einen Christen Versöhnung mit dem Weg Gottes in seinem Leben.
· Wo werden Mitarbeiter in unseren Gemeinden und Gemeinschaften noch geistlich gefördert und berufen? Wer traut sich zu berufen, wer traut sich, sich berufen zu lassen? Stehen wir dann auch zu den so Berufenen – auch dann, wenn sie Fehler machen?
· Fragt einer den anderen nach seiner Berufung? Sprechen wir einander die Berufung Gottes aus? Stehen wir zu dieser Berufung auch in schwierigen Zeiten (und weisen einander im geschwisterlichen Gespräch zurecht), oder ziehen wir uns dann von unseren Geschwistern zurück und stellen die Berufung Gottes in Frage?

Pfarrer Thomas Wingert, Denkingen

Impulse zur Veranschaulichung für Kinder und Erwachsene:
· Anspielszene: Zwei Leute reden über einen anderen und dessen ausländische Frau Schlechtes, Vorurteile werden deutlich. Plötzlich kommt der andere dazu und lädt die beiden im Namen seiner Frau zu einem griechischen Essen o.ä. ein …
· Veranschaulichung zu V. 3: Aus Duplo- oder Legosteinen das Wort „ICH“ bauen. Bei Mose stand etwas anderes im Mittelpunkt. Was? Aufgabe für die Kinder: Die Legosteine umbauen in „DU“ und „GOTT“.

4. Mose 13 – 14

Fluchtpunkt Kanaan

Die Kundschafter
Gott selbst wählt für die schwierige Aufklärungsmission die Besten der Stämme. Hier werden nicht nervöse kleine Fußsoldaten als Kugelfänger aus dem Graben gejagt - die fähigsten und erfahrensten Köpfe des Volksrates prüfen Kanaan auf Bewohnbarkeit. Alpha-Typen, Häupter, Älteste! Ein junger Fürst fällt auf. Er vertritt den Stamm Juda, obwohl er Kenasiter ist, Sohn eines fremden Volkes. Irgendwo im Süden hatte er sich dem Gottesvolk angeschlossen, sich schnell bei jedermann beliebt gemacht. Dennoch sehen die anderen Gesandten scheel auf ihn, nennen ihn Kaleb, ‚Hund’ (Jos 14,6). Soll er doch mit Hosea gehen, dem Mose-Liebling. Wie nennt Mose ihn seit neulich? Josua, d.h. ‘Gott-hilft’. Ein schönes Gespann: ein Dahergelaufener und ein Emporkömmling!

Auftrag ausgeführt
40 Tage nervenaufreibende Warterei haben sich gelohnt! Phantastische Früchte werden präsentiert! Gutes Land! Aber dann die schlechten Nachrichten: Starke Kerle! Dicke Mauern! Ein wahres Hornissennest! Die erste Begeisterung ‘kippt’: finstere Blicke Richtung Mose. Hat man es nicht schon immer gesagt? Der wird uns noch alle ins Verderben führen ...!
Eine helle Stimme löst das hysterischer werdende Gemurmel: „Habt Mut! Wir können es schaffen! Gott wird uns helfen!“ Die Zuversicht und Festigkeit des Kaleb wirken beruhigend und übertragen sich für Augenblicke auf die verwirrten Gemüter. Ja, doch ... natürlich ... Recht hat er. Hat uns Gott je im Stich gelassen?

Dennoch: Meuterei
Wütend zischeln die anderen Kundschafter dagegen: „Unmöglich! Wahnsinn! Der reine Selbstmord!“ Sie drängen und giften. Aus wichtigtuerischen Bedenkenträgern werden Agitatoren des Entsetzens. Sie baden sich gewissenlos in der ungeteilten Aufmerksamkeit des Volkes. Intuitiv erfassen sie ihre Chance, Mose hier und jetzt die Macht über das Volk aus den Händen zu winden.

Hybris
Äußerste Bestürzung zeigen Mose und Aaron durch ihr Niederwerfen. Kein Kniefall vor Stärkeren, sondern tiefe Erschütterung über die ungeheuerliche Höhnung Gottes bringen sie zum Ausdruck. Die zerrissenen Kleider Josuas und Kalebs zeigen dem Volk, was es da eigentlich tut: das ‘sehr gute’ Land schlecht machen, den Schutzgöttern der Kanaanäer mehr Macht zutrauen und damit Gott lästern. Das darf doch nicht wahr sein! „Kommt doch zur Besinnung: Gott wird uns helfen – Er kann es!“
Der Mob ist jedoch nicht mehr zu bremsen – die über viele Monate aufgestauten Aggressionen suchen ein Ventil: das Mose-Söhnchen und sein ‘Hund’ – macht kaputt, was euch kaputt macht ...!

Das Maß ist voll
Der verhöhnte Gott wendet sich gegen das tollwütige Volk, stellt sich schützend vor die beiden Kundschafter. Mose fällt dem Allmächtigen in den Arm und ringt im Gebet um das Leben der Lebensmüden.
Zehnmal Ungehorsam, zehnmal Gott versucht - darum der Richtspruch: Zum Schilfmeer zurück! Tretet an das nasse Grab dessen, der wie ihr zehnmal den Gott Israels versuchte. Eure Kinder werden diese Lektion lernen müssen, wollen sie das Land sehen, das ihr verworfen habt. Und die Künder der Halbwahrheit, die konspirativen Gesandten, die machtgierigen Meinungsmacher? Sie gingen an ihren Ambitionen zugrunde.

Trauer oder Starrsinn?
In einem Anfall von Selbsterlösungswahn rennt das gestrafte Volk gegen die Schwerter der Wächter Kanaans an. Wie ein bockiges Kind die Konsequenz flieht, schlägt das Volk nicht in sich, sondern wie rasend um sich. Die Gott-Losigkeit (Gott bzw. die Bundeslade zieht mit den Wahnsinnigen nicht mit!) wird zur schnellen Beute der Feinde.

Frage zum Gespräch:
· ‘Kanaan ist überall.’ Wie bewahrt sich eine Gemeinschaft den mutigen Glauben in Gottes Möglichkeiten und eine gesunde Reserviertheit gegen eigenmächtige Bedenkenträger und Panikmacher?

Für Kinder:
Die Szenen können nachgespielt werden. Die Darsteller - besonders die von Josua und Kaleb - können nach dem Spiel berichten, wie sie ihre Rolle erlebt haben.

Carsten Schröder, Satteldorf

Impulse zur Veranschaulichung für Kinder und Erwachsene:
· Erzählung mit Sprechchor. Die Geschichte wird erzählt oder vorgelesen. Das „Volk“ spricht den zehn Kundschaftern alles nach. Die leisen Stimmen von Josua und Kaleb gehen daneben fast unter. = Von was lassen wir uns beeinflussen?
· Lied von Manfred Siebald: „Welcher falsche Ton wird richtig, dadurch dass ihn jeder pfeift? … Ich glaub nicht, dass die Menge zählt.“

4. Mose 16,1-17,5

Aufruhr gegen Mose und Aaron und zugleich auch gegen Gott

Nach dem Auszug aus Ägypten murrte das Volk immer wieder gegen Mose (2.Mose 15,22ff; 2.Mose 17,1ff). Nach 4 Mose 12,1ff lehnen sich Mirjam und Aaron gegen Mose auf. Nun wird hier über den gefährlichsten Aufstand berichtet, den es gegen Moses Führung gegeben hat. Aber Gott stellt sich zu Mose, den er berufen hat, sein Volk zu führen. Er bringt Gericht über Korach und seine Anhänger, eröffnet aber auch aus Gnade für das Volk einen Weg zur Rettung.

1. Gleich viel wert, aber verschiedene Aufgaben
Korach (ein Levit), Datan, Abiram und On (drei Rubeniten), zetteln einen Aufstand gegen Mose und Aaron an. Weitere 250 führende Leute des Volkes schließen sich ihnen an. Sie stellen sich gegen Moses Führungsposition: „Das ganze Volk ist doch heilig, und Gott wohnt unter dem ganzen Volk. Wir sind also alle gleich. Wie kommst du dann dazu, dich über uns zu stellen und uns zu führen“(V. 3). Gott hatte zwar seinem ganzen Volk gesagt: „Ihr sollt heilig sein“ (3.Mose 19,2) und „ich will unter euch wohnen“ (2.Mose 25,8). Es stimmt zwar: „Jeder ist vor Gott gleich viel wert“. Aber das heißt noch lange nicht, dass es im Volk nicht auch unterschiedliche Aufgaben gäbe. Gott hatte Mose berufen, Israel zu führen und zu leiten. Er ist deshalb nicht mehr wert als andere, aber er hat von Gott die besondere Aufgabe, das Volk zu führen.
In den Versen 8-15 wird deutlich, was der eigentliche Grund für den Aufruhr ist. Der Levit Korach möchte nicht länger „nur“ Levit sein, der dem Priester dient (was nach 4.Mose 3,5ff Aufgabe der Leviten war). Er wäre selbst gerne Priester gewesen (4.Mose 16,9+10). Korach ist nicht zufrieden mit seinem Platz, an den er gestellt ist. Er will nicht dienen, sondern herrschen; nicht dienen, sondern groß sein. Wie tief steckt das in uns Menschen drin?!
Und ähnlich ist es bei den Rubeniten. Auch hinter ihrer Anklage gegen Mose und Aaron steckt purer Egoismus. Sie wollen sich nicht Moses Führung unterordnen. Sie wollen selbst die Führung übernehmen, herrschen und groß sein. Jesus sagt später zu seinen Jüngern: „Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein“ (Mk 10,43). Und Jesus selbst hat uns wie kein anderer gedient (Mk 10,45).

2. Mose – der Beter
Zweimal wird uns Mose hier als Beter vorgestellt. Korach und seine Leute lehnen sich gegen Mose auf. Und was tut Mose? Er betet (V. 4). Wie erstaunlich! Mose erfährt großes Unrecht und seine erste Reaktion: Er betet. Ob wir da nicht viel von Mose lernen könnten?!
Das zweite Mal tritt Mose als Fürbitter in Erscheinung (V. 22). Korach und seine Leute lehnen sich gegen Mose und damit zugleich auch gegen Gott auf (V. 11). Mose lässt Korach mit dessen Anhängern, aber auch das ganze Volk Israel bei der Stiftshütte zusammenkommen. Als Gott dort erscheint (V. 19), will er Mose und Aaron schonen. Das ganze Volk (das wahrscheinlich mit Korach sympathisiert hat) soll aber in einem Augenblick vernichtet werden. Und wie reagieren Mose und Aaron? Sie treten für ihr Volk bei Gott ein. Wie erstaunlich! Ihre Fürbitte gilt sogar Menschen, die sie verleumdet haben und die sie absetzen wollten. Ihre Fürbitte ist praktizierte Feindesliebe. Und Gott lässt sich erbitten. Ob wir da nicht auch von Mose und Aaron lernen könnten?!

3. Gericht und Rettung
Als Antwort auf den Aufstand kündigt Gott sein Gericht über die Aufständischen an. Nach Moses und Aarons Fürbitte eröffnet Gott seinem Volk aber einen Weg zur Rettung vor dem Gericht: „Weicht von den Zelten Korachs, Datans und Abirams ...“ (V. 24). Wer diesem Wort Gottes gehorcht und sich auf Gottes Rettungsweg einlässt, wird gerettet. Korach, Datan und Abiram mit ihren Sippen kommen um. Die Erde öffnet sich und verschlingt sie (V. 31-33). Die 250 Männer, die zu ihnen gehören und an der Stiftshütte opfern, werden durch Feuer verbrannt (V. 35). Das übrige Volk, das Gottes Wort gehorcht und sich auf seinen Rettungsweg einlässt, wird gerettet. Ist das nicht schon ein Hinweis auf Jesus? Durch sein Sterben hat Jesus einen Weg zu unserer Rettung geschaffen. Wer an ihn glaubt, „der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern ist vom Tode zum Leben durchgedrungen“ (Joh 5,24).

4. Das Erinnerungszeichen
In Kap. 17,1-5 gibt Gott seinem Volk ein Erinnerungszeichen. Die Pfannen (Räucherbecken), in denen die 250 Korachanhänger vor der Stiftshütte ein Räucheropfer darbringen, sollen breitgehämmert und als metallener Belag auf den Altar gelegt werden. Dieser soll die Israeliten ständig daran erinnern, dass Aaron und seine Nachkommen von Gott zum Priesterdienst ausersehen sind (2.Mose 28) und dass ihnen das niemand streitig machen darf (16,10). So hatte Gott es geordnet, und Gottes Volk soll sich an Gottes Ordnungen halten.

Fragen:
· Wo stehen wir in der Gefahr, nicht dienen, sondern herrschen zu wollen?
· Was können wir von Moses Beten lernen?

Dekan Werner Trick, Neuenbürg

Impulse zur Veranschaulichung für Kinder und Erwachsene:
· Kinder gestalten eine Collage zum Thema Aufruhr, Revolution, Demo ... > Aufruhr an der falschen Stelle ist gefährlich!
· Veranschaulichung zu Gottes Heiligkeit / Wer kann Gott wirklich nahen?!: Eine Kerze anzünden und schildern, wie ein Nachtfalter ständig versucht, in diesem Licht zu landen - und dabei verglüht. Impuls: Es liegt im Wesen der Kerze, dass ihr der Nachtfalter nicht ungefährdet zu nahe kommen kann. So liegt es auch in Gottes Wesen, seiner Heiligkeit begründet, dass wir ihm nicht so ohne weiteres nahen können. Das hier Geschilderte ist nicht einfach nur ein Strafakt Gottes, sondern in seinem Wesen begründet. Nur durch Jesus können wir uns Gott wirklich nahen!

4.Mose 17,6-28

Der heilige Gott und der unheilige Mensch

Gott beruft Menschen zum Dienst
Der ganze Streit, der Ungehorsam und der Aufstand gegen Gott, die in Kapitel 16 und 17 berichtet werden, haben ihren Ursprung im Neid. Gott hat Mose als Führer für Israel eingesetzt und Aaron als ersten Hohepriester. Von diesem Zeitpunkt an sind die Nachkommen Aarons die Priester Israels, einer von ihnen der Hohepriester. Die Leviten sind zu besonderen Diensten am Tempel berufen – zum Beispiel als Sänger wie Asaf, dessen Psalm 73 wir im Januar in den Stunden behandelt haben. Vor Gott machen diese Berufungen keinen Unterschied. Er beruft jeden nach seinen Möglichkeiten und Gaben und will mit jedem Menschen, mit jedem Mitglied seines Volkes Gemeinschaft haben. Wir Menschen machen allerdings einen Unterschied. Wir betrachten Berufungen und Aufgaben, die Gott gibt, nach dem äußeren Ansehen. Ein weltweit bekannter Evangelist, der viel mit vielen Menschen zu tun hat, gilt oft mehr als ein einfaches Gemeindeglied, das jeden Sonntag nach dem Gottesdienst ohne viel Aufhebens die Gesangbücher ins Regal ordnet. Das ist ein Ausdruck unserer Werte, aber auch von Selbstherrlichkeit und damit von Unheiligkeit. Vor Gott gibt es keine solchen Unterschiede. Jeder Nachfolger ist ihm gleich viel wert und gleich wichtig. Jede Aufgabe im Reich Gottes ist nötig und von Gott so gewollt und wertgeschätzt.
Nach dem Aufruhr von Korah und seinen Leuten sollte die Frage der Berufung eigentlich geklärt sein, möchte man meinen. Gott hat sich als der Herr erwiesen (4.Mose 16,28-33) und Mose und Aaron als seine Sprecher, als Führer des Volks und Aaron als seinen Priester bestätigt. Und damit kein Zweifel aufkommen kann, bestätigt Gott Aaron nochmals als seinen Priester. Aarons Stab grünt, alle anderen nicht. Das Wunder, dass totes Holz über Nacht Blätter, Blüten und Früchte treibt, soll Israel zur Erinnerung an den Ungehorsam und den Aufruhr erhalten bleiben. Aarons Stab wird mit der Thorarolle und den Gebotstafeln in der Bundeslade verwahrt.

Die Abkehr von Gott hat Folgen
Der Aufruhr, den Korah, Datan und Abiram im Volk Gottes verursacht hatten, hatte nicht nur für sie selbst schlimme Folgen – er fand auch Nachfolger. Aber dieses Mal nicht nur Einzelne, sondern die ganze Gemeinde. Selbst wenn es nicht jeder Einzelne war: Die große Mehrheit des Volks steht gegen Mose und Aaron, versammelt sich gegen sie. Wer weiß, wie es ausgegangen wäre, hätte Gott nicht eingegriffen. Der Aufstand gegen Gott und seine Ordnung sitzt tief in den Israeliten, überhaupt in jedem Menschen drin: Im Grunde hatten doch Korah und Genossen Recht, mehr für sich zu fordern. Es war nur die Eifersucht von Mose und Aaron, die den Tod über die unzufriedenen Leviten gebracht hat. Mose und Aaron wollten Macht und Einfluss für sich behalten, darum sind sie auch schuld am Tod der Rotte Korah. Das ist die menschliche Weise, über die Geschehnisse zu denken. Der Mensch, auch der Mensch aus dem Volk Gottes, versucht, die Schuld und Verantwortung für seine Fehler und deren Folgen auf andere abzuschieben. Bei Israel ist es der Vorwurf gegen Mose und Aaron: „Ihr habt des Herrn Volk getötet“ (V. 6). Dabei war es doch deutlich Gott selbst, der es getan hatte, und es war genauso deutlich der Aufstand gegen Gott, der das ausgelöst hatte.
Genau wie am Tag vorher hat auch dieses Mal der Aufstand gegen Gott Folgen. Eine Plage bricht unter den Israeliten aus, die von Gottes Zorn ausgegangen ist. Wieder sterben Menschen. Diesmal ist es nicht Mose, der für das Volk bittet. Mose schickt seinen Bruder Aaron ins Lager, um „Sühne zu schaffen“, denn das ist die Aufgabe eines Priesters. Er steht als Mittler zwischen Mensch und Gott. Aaron vollzieht ein Rauchopfer zur Heiligung für die Israeliten, damit der Zorn Gottes gegen Unreinheit und Unheiligkeit abgewendet wird. So findet die Plage ein Ende.

Das Gericht Gottes hat Folgen
Die Israeliten kommen zu einer Einsicht: „Wir Menschen passen nicht zum heiligen Gott. Wir können nicht in seine Gegenwart kommen“ (V. 27+28). Aber selbst darin schwingt noch der Vorwurf mit: Es ist irgendwie Gottes Schuld, dass wir in seiner Nähe umkommen, dass wir diese Gegenwart nicht ertragen können. Gott wollte es anders haben. Die Menschen seines Volkes sollen heilig sein, ihm zu besonderem Dienst ausgesondert und zugeordnet. Die Geschichte des Volkes Israel ist nicht nur eine Geschichte vom Handeln Gottes, sondern auch eine Geschichte vom Scheitern der Menschen, nämlich vom Scheitern daran, der Berufung zur Heiligkeit zu entsprechen. An dieser Situation hat sich bis heute nichts geändert. Kein Mensch kann von sich aus vor Gott bestehen. Am Ende bleibt diese Frage offen: Wie kommen Gott und Mensch zueinander? Die Antwort darauf muss Gott selbst geben, weil wir sie nicht geben können. Sie heißt: Jesus Christus.

Fragen zum Gespräch:
· Nehme ich meine besondere Berufung an oder hätte ich doch lieber die eines anderen?
· Spüre ich noch, das Gott heilig ist?
· Wie kommen Gott und Mensch zueinander?

Thorsten Müller, Göppingen

Impulse zur Veranschaulichung für Kinder und Erwachsene:
· Zwölf Stäbe mitbringen. Können wir alle zwölf Stämme Israels aufzählen? Auf jeden Stab einen Namen schreiben. Zu welchem Stamm gehört Aaron? Diesen Namen ausstreichen und Aaron draufschreiben (V. 18).
· Als Veranschaulichung zu V. 23 noch einen weitern Stab / Ast zeigen, der ausgeschlagen hat.
· Wie gehen wir mit Verantwortlichen in Gemeinde und Gemeinschaft um? In 1.Thess 5,12+13 gibt es Tipps dafür. Diesen Vers sowie die Namen der Verantwortlichen am Ort und im Verband auf Kärtchen kopieren und als Gebetskärtchen verteilen.

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