2. Mose 19,1-25

Israels Bestimmung

Zu Gott gebracht (V. 1-4)
Der Auszug aus Ägypten und ein Teil der Wüstenwanderung liegen hinter Israel. Israel hat Gottes mächtiges Wirken erfahren. Aber der Höhepunkt steht noch bevor: die Begegnung mit Gott am Sinai, in der Gott sich selbst offenbart. Mit einem ganz kurzen Satz gibt Gott in V. 4 das Thema des ganzen Kapitels an: „… und euch zu mir gebracht“. Exodus und Wüstenwanderung waren Weg zu Gott. Dieses Ziel ist jetzt mit der Ankunft am Sinai erreicht.

Ein heiliges Volk (V. 5-6)
Israels Bestimmung: Israel soll ein heiliges Volk, ein Priester-Volk sein. Gott hat Israel dazu erwählt, obwohl ihm die ganze Erde und damit alle Völker gehören. Was ist der Inhalt dieser Bestimmung? Israel darf Gott nahen. Es ist Aufgabe und Vorrecht von Priestern, Gott nahen zu dürfen. Israel darf Gott nahen, weil Gott Israel sich nahen lässt. Im Alten Bund gilt dieses Vorrecht mit wenigen Ausnahmen nur Israel. Wen aber Gott auf seine Seite zieht, der ist heilig. Warum aber diese Erwählung nur eines Volkes? Gott hat Israel erwählt, um sich in diesem Volk zu offenbaren. Es war und ist das Ziel Gottes, dass diese Offenbarung und damit Gott letztlich allen Völkern bekannt wird. In der Sendung Jesu und in dessen Auftrag kommt dies zum Ziel.

Bereitschaft zum Gehorsam (V. 7-8)
Gott hat Israel erwählt „allein aus Gnaden“, nicht weil Israel sich durch herausragende Vorleistungen dafür besonders empfohlen hätte. Die Verpflichtung auf den Gehorsam folgt der Erwählung, er geht ihr nicht voraus. Aber der Bund mit Gott ist nicht möglich ohne Gehorsam. Israel ist bereit zu diesem Gehorsam: „Alles … wollen wir tun.“ Aber gerade daran scheitert Israel dann auch immer wieder. Daran scheitert der Alte Bund. An Israel wird offenbar, dass die Menschen letztlich mit Gott nicht leben können. Auch in dieser Erkenntnis erfüllt Israel eine stellvertretende Aufgabe für alle Menschen. Deshalb bedarf es des Einen, der ohne Sünde war und durch den alle Menschen gerettet werden können.

Gottesbegegnung (V. 9)
Gott begegnet Israel, und Israel begegnet Gott am Sinai. Klar bleibt, dass Israel Gott dabei nicht sehen kann. Aber es gibt Zeichen, die Gottes Gegenwart andeuten. Da ist zum einen die Wolke. Sie steht hier und an anderen Stellen für Gottes Gegenwart und verhüllt doch gleichzeitig sich und seine Herrlichkeit. Immer noch gilt: Niemand kann Gott sehen (2Mo 33,20). Da ist zum andern seine Stimme. Gott möchte mit Israel aus der Wolke so reden, dass Israel es hört. Nach dem Gesamtzeugnis der Bibel ist dies eine Ausnahme (vgl. 2Mo 20,18-21). In der Regel redete Gott über die Propheten zum Volk. Aber in der Ursprungssituation am Sinai bezeugt Gott seine Gegenwart vor dem ganzen Volk. Die Gemeinde Jesu hört im Wort Jesu Gottes Stimme.

Heiligkeit (V. 10-25)
Gott naht sich Israel, und Israel darf sich Gott nahen. Und doch bleibt Gott der Heilige. Das Wesen Gottes wird in seiner Offenbarung nicht aufgelöst. Auch wenn Gott Israel und uns die größte Vertrautheit gewährt, bleibt er der Heilige. Deshalb können wir uns ihm letztlich nur in Jesus Christus nahen, der unsere Schuld trägt und uns zu Heiligen macht.

Fragen zum Text:
· Inwieweit können die Aussagen über Israel auf die Gemeinde Jesu übertragen werden und wo nicht?
· Erwählung und Gehorsam – wie ist das Verhältnis für Christen zu bestimmen?
· Wie begegnet Gott uns?

Pfarrer Hartmut Schmid, Tübingen

Impulse zur Veranschaulichung für Erwachsene und Kinder:
Zu Vers 12: Wo gibt es in unserem Alltag Schutzzäune oder Sperrgebiete? Ein Umspannwerk zum Beispiel ist zum Schutz vor der hohen Energie eingezäunt. Impuls: Kein Mensch kann sich Gott nahen, so wie er ist. Gott naht sich uns und schließt einen Bund mit uns. Das Bundeszeichen im NT ist das Kreuz Jesu.

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