2.Mose 17,8-16

Auf dem Weg zum Ziel
Unterwegs mit Gott – in den Kampf gestellt
Dieser Abschnitt beschreibt nur einen ganz kurzen Ausschnitt aus der Zeit der Wüstenwanderung Israels – nur das Geschehen eines Tages! Jedoch ein äußerst bedeutsames Geschehen – damals für Israel und auch für uns heute, denn am Beispiel Israels erhalten wir Einsichten in Gottes Handeln und erkennen Prinzipien des geistlichen Kampfes.

I. In den Kampf gestellt
1. Der Zusammenhang
Israel ist auf dem Weg durch die Wüste. Nach 430 Jahren Knechtschaft in Ägypten hatte Gott das Wunder des Aufbruchs und den Auszug geschenkt. Ägypten hatten sie hinter sich – vor ihnen lag das verheißene Kanaan. Auf diesem Weg von der Knechtschaft ins Land der Verheißung stellt sich der Feind in den Weg. „Da kam Amalek“ (V. 8).
Amalek kommt nach der Befreiung aus der Knechtschaft! Wenn es ihm schon nicht gelungen ist, den Auszug zu verhindern, dann will er wenigstens den Weiterweg blockieren und verhindern, dass Israel ins verheißene Land kommt. – Wenn ein Mensch die Knechtschaft der Sünde hinter sich gelassen hat (Joh 8,36; Röm 5,1), wenn er zum Glauben gekommen ist: Wie viele machen immer wieder die Erfahrung, dass dann plötzlich der Kampf anfängt. „Gott hat uns errettet von der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes“ (Kol 1,13). Nach einem solchen Herrschaftswechsel will der Feind das Feld jedoch nicht kampflos preisgeben – es sind gleichsam Nachhutsgefechte. Er will wenigstens dafür sorgen, dass wir auf dem Weg des Glaubens stecken bleiben.
Voraus gehen großartige Erfahrungen der Durchhilfe Gottes und beeindruckende Glaubenserlebnisse:
- Auszug aus Ägypten (Kap. 13)
- Durchzug durch das Rote Meer (Kap. 14)
- Wasser und Palmbäume in Elim (Kap. 15)
- Speisung durch Wachteln und Manna (Kap. 16)
- Wasser aus dem Felsen (Kap. 17,1-7, was unserem Text unmittelbar vorausgeht).
Beeindruckende Glaubenserfahrungen und besondere Segenszeiten – „da kam Amalek.“ Wie oft ist das so auch bei uns nach einer gesegneten Freizeit, Konferenz oder Gemeinschaftsstunde oder nach anderen beeindruckenden Glaubenserfahrungen. Nach der Erfahrung die Gefahren! Einer meiner geistlichen Väter – Bruder Hermann Brillinger – sagte uns jungen Menschen: „Passt auf, wenn ihr heimkommt. Satan möchte, dass ihr den Segen wieder verliert, den euch Gott jetzt geschenkt hat.“ Wir dürfen uns also nicht wundern, wenn es Gegenwind oder Bewährungsproben gibt: am Arbeitsplatz; in der Schulklasse – ja oft in der eigenen Familie.

2. Wer ist Amalek?
Er ist der Nachkomme Esaus (1Mo 36,12). Hier schattet sich also die alte Auseinandersetzung zwischen Jakob und Esau ab. Jakob hatte den Segen und damit auch die Verheißung des Landes (vgl. 1Mo 35,12). Esau wollte und konnte das nicht wahrhaben! Er war ein Mann der Stärke und des äußeren Erfolgs - von Kindheit an. „Als nun die Knaben groß wurden, wurde Esau ein Jäger und streifte auf dem Felde umher“ (1Mo 25,27). Amalek als Nachkomme Esaus hat dasselbe Wesen und setzt auf Stärke, Macht und klirrende Waffen. Von Jakob dagegen heißt es: „Jakob aber war ein gesitteter Mann und blieb bei den Zelten“ – ein Schwächling, ein Muttersöhnchen in den Augen Esaus. Esau setzte auf Erfolg, Jakob setzte auf den Segen. Segen ist jedoch mehr als Erfolg. Nun begegnen sich die Nachkommen: Israel ist schwach und ohne Waffen, wehrlos in der Wüste; Amalek kommt mit „Heer und Kraft“ (vgl. Sach 4,6).
Amalek schattet den Feind Israels ab – den Feind des Gottesvolkes zu allen Zeiten. Satan kämpft gegen Gottes Volk: „Der Feind, euer Widersacher, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge“ (1Petr 5,8). Der Wolf greift die Herde an.

3. Der Feind greift an
Nicht Israel eröffnet den Kampf und greift an. Israel wird in diesen Kampf hineingestellt, ob es will oder nicht. Das ist die Erfahrung der Gläubigen zu allen Zeiten: Wir müssen den Kampf nicht suchen; wir werden automatisch hineingestellt.
Nun muss Israel kämpfen: „Zieh aus und kämpfe“ (V. 9). Beim Auszug aus Ägypten musste Israel nicht kämpfen – das war allein Gottes Macht. „Der Herr wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein“ (2Mo 14,14). Den Auszug aus der Knechtschaft hatte Gott ganz allein arrangiert – aber auf dem Weg durch die Wüste ist der Kampf gefragt. So ist das auch bei uns: Neues Leben bekommen wir allein durch Jesus Christus. Dazu tragen wir nichts bei, so wenig wir zur eigenen Geburt etwas beigetragen haben. Dass wir Gottes Kinder sind, ist einzig und allein Gottes Gabe. Aber nach der Neugeburt, auf dem Weg ans Ziel beginnt der Kampf.

II. Die Methode des Feindes
Dazu müssen wir ergänzend 5Mo 25,17.18 heranziehen (bitte lesen). Hier erkennen wir einiges über die Methode Amaleks – sehr bedeutend für unseren Glauben:

1. Wenn du müde und matt bist
Das sind die gefährlichen Stunden – wer kennt nicht solche Versuchungsstunden? Wenn der Leib müde ist, ist auch der Geist müde. Jesus wusste um solche Versuchungsstunden und sagte deshalb in Gethsemane zu seinen Jüngern: „Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ Heute sagt man: Ich bin „down“. Deshalb ging Jesus in solchen Stunden in die Stille, in die Einsamkeit mit Gott. Deshalb rät er uns, Doppelposten aufzustellen: Wachet und betet! Deshalb meint Paulus: „Ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt“ (Eph 6,13).

2. Von hinten
„Wie sie deine Nachzügler erschlugen“. Amalek kam nicht von vorne, sonst hätte sich Israel ja rechtzeitig darauf einstellen können. Er kam von hinten – er hat ein hinterlistiges Wesen. Der Feind in unserem Glaubensleben ist meist erst sichtbar, wenn wir schon am Boden liegen. Er zeigt sich nicht offen, er verstellt sich als Engel des Lichts, oder er kommt hinterlistig: „...groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist“ (Martin Luther).

3. Er prügelt die Schwachen
„Und er schlug alle Schwachen.“ Das waren zunächst die Nachzügler, die hinterherhinkten: die Alten und die Frauen mit ihren kleinen Kindern. Sie sind heute auch oft Brennpunkte des Angriffs Satans in Familie, christlicher Gemeinde und Gesellschaft.
Die Alten: Wenn die Kraft nachlässt, wenn die Gebrechen einsetzen – Anfechtungsstunden! Oder denken wir an die Geringschätzung des Alters und die Verachtung der Alten auch unter uns – bis hin zur Debatte um die Sterbehilfe!! Die Frauen mit den Kleinkindern: Nüchtern müssen wir sehen, dass Satan besonders bei christlichen Familien ansetzt und einbrechen will, denn in einer Gemeinde und Gemeinschaft ist es gut bestellt, wenn sie viele Kinder und gläubige Familien hat. Wenn er hier einbricht – so hat er gewonnen. Der Kampf ums Kind beginnt schon sehr früh: Verführung, Versuchung und ideologische Überfremdung der jungen Generation. Kinder sind solchen ideologischen Versuchungen wehrlos ausgeliefert. Und dann der Streit ums ungeborene Leben unter uns – das schwächste Glied, das völlig wehrlos ist. Sterbehilfe/Euthanasie und Tötung ungeborenen Lebens – ein Zeichen des satanischen Angriffs auf unsere Gesellschaft und die christliche Gemeinde!
Es ist immer die Art Satans, auf die Schwachen einzuschlagen. Jesu Wesen ist das Gegenteil: Er nimmt sich des Schwachen an.
„Wenn ein Schaf verloren ist, suchet es ein treuer Hirte ...“ (GL 324)
„Was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt“ (1Kor 1,27).
- Das Schwache und Hilfsbedürftige ist der Prügelknabe der Welt.
- Das Schwache und Hilfsbedürftige ist der Prüfstein der Gemeinde Jesu.
Hieran zeigt sich, ob wir den Blick des Erbarmens und der Liebe Jesu haben. „Als Jesus das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (Mk 6,34).
„Und er schlug alle Schwachen“: Das sind schließlich auch die schwachen Stellen in unserem Leben. Da setzt der Feind an, denn er kennt sie ganz genau.
Viele kennen wahrscheinlich die Nibelungensage vom Helden Siegfried, der den Drachen erschlug und anschließend im Drachenblut badete. Dadurch wurde er unverwundbar – bis auf eine einzige Stelle. Hier war während des Badens ein Lindenblatt auf den Rücken gefallen. Dadurch war diese Stelle nicht durch das Drachenblut geschützt. Hier war Siegfried verletzlich – an dieser Stelle. Sein Feind Hagen hatte das durch Verrat erfahren. An dieser Stelle setzte er an und schlug zu – es war tödlich!
Satan kennt die schwachen Stellen in unserem Leben – da schlägt er zu: Groll, Neid, Geiz, unreine Phantasie, Empfindlichkeit, Ehrsucht ... Deshalb müssen wir an diesen Stellen Doppelposten aufstellen: Gottes Wort und Gebet.

III. Die Methode des Gottesvolkes
„Mose sprach zu Josua: Erwähle uns Männer, zieh aus und kämpfe gegen Amalek. Morgen will ich oben auf dem Hügel stehen mit dem Stab Gottes in meiner Hand.“

1. Gebet und Tat/Ora et labora
Israel nimmt den Kampf in einer zweifachen Weise auf: Josua kämpft im Tal, und Mose betet auf dem Berg. Beides ist untrennbar miteinander verbunden, und man darf nicht eins gegen das andere ausspielen: der volle Einsatz und das Gebet. „Christsein besteht im Beten und im Tun des Gerechten“ (Bonhoeffer). Die Mönche hatten als Wahlspruch „ora et labora“ – bete und arbeite! Genau das treffen wir hier an. Es gibt in unserem Leben manchmal mehr Zeiten des Kampfes und der Tat, manchmal mehr Zeiten des Gebets. Beides muss jedoch da sein! Es gibt in der Gemeinde Jesu Menschen, die sich mehr einsetzen und die praktische Arbeit tun – und andere, die sich mehr in die Stille und ins Gebet zurückziehen, etwa bei der Vorbereitung einer Bibelwoche oder Evangelisation. Beides muss jedoch da sein!
Bei Jesus erleben wir beides: Wie sehr hat er sich mitunter eingesetzt – bis an die Grenze der Kraft (Mk 1,32-34; 3,20; 6,31). Da ging es nicht beschaulich zu. Es war voller Einsatz; nicht einmal Zeit zum Essen! Das wehleidige Gejammer („Stress“) mancherorts heute, wenn es einmal darum geht, mehr als gewöhnlich zu tun und wenn auch mitunter Pausen entfallen müssen, ist geistlich sehr zu hinterfragen! (Vgl. Paulus: Apg 20,31; 1Thess 2,9). Doch Jesus kannte auch das andere. Deshalb hat er seine Jünger immer wieder in die Stille geschickt und hat selbst die Stille aufgesucht (Mk 1,35; 6,32). Schauen wir uns deshalb beide Bereiche etwas genauer an:

2. Josua kämpft im Tal
Nicht das ganze Israel kämpfte – nur Auserwählte! Man konnte in diesem Kampf auch nicht jeden gebrauchen, denn es war kein Spaziergang. Josua musste auswählen. Es waren wahrscheinlich gar nicht zu viele. Auch Gideon konnte nicht alle gebrauchen und schickte die meisten heim (Ri 7); denn „wer ängstlich und verzagt war“, der kehrte um. Immer war es im Volk Gottes so, auch im Gottesvolk des Neuen Bundes, dass es letztlich wenige waren und sind, die den Durchblick haben und sich der Aufgabe stellen. Viele werden eher beschaulich – und auch kritisierend – am Rande stehen. In der Gemeinde Gottes gab es stets mehr Zuschauer als Mitstreiter! Es kommt ja auch nicht auf die Quantität an, sondern auf die Qualität – nicht auf die Menge, sondern auf die Entschlossenheit derer, die kämpfen. So ist es auch wichtig, dass Gott in unseren Tagen immer wieder Menschen beruft, die sich ganz für ihn einsetzen und sich dem Kampf des Glaubens stellen – in den Kampf mit Amalek heute.
„Und Josua tat, wie Mose ihm sagte ..., bis die Sonne unterging“. Den ganzen Tag über war voller Einsatz gefordert. Der Kampf war in der Tat hart; man war in der Wüste; es war heiß, durstig und staubig. Man war unterlegen und hatte längst nicht die Waffen, die der Feind hatte. Und so ging der Kampf bis zum Sonnenuntergang.
Auch heute ist ein solcher Kampf und voller Einsatz immer wieder gefordert. Der Josua im Tal heute:
- das ist die Mutter, die sich ganz einsetzt für ihre Kinder und die Familie; die nicht auf Selbstverwirklichung pocht, sondern hier ihren „Gottesdienst“ (Martin Luther) umsetzt,
- das ist der Vater, der sich trotz harter Forderungen im Beruf noch um Kinder und Familie kümmert und darüber hinaus Aufgaben in der Gemeinde Jesu wahrnimmt,
- das sind Pfarrer und hauptamtliche Mitarbeiter, die sich viel Zeit nehmen für eine Predigt, für Hausbesuche; die weitermachen, auch wenn es manchmal fast nicht mehr geht, und die nicht den Vergleich zur 35-Stunden-Woche anstellen,
- das sind ältere Menschen, die trotz abnehmender Kräfte sich noch Zeit nehmen zu Besuchen, zu Briefen, zu Telefonaten und zum Gebet,
- das sind die zahlreichen Ordner, Chormitglieder und Techniker, die sich bei der Vorbereitung und Durchführung von Evangelisationen, Bibelwochen, Konferenzen usw. voll einsetzen ...
Ohne den Josua im Tal geht es nicht. Es ist nicht gut, wenn manche sagen: Ihr solltet nicht so viel arbeiten und organisieren – ihr solltet mehr beten! Interessanterweise steht hier: „Und Josua überwältigte das Volk“ – als ob es allein an ihm gelegen hätte.
Gekämpft wird im Tal – aber entschieden wird auf dem Berg. Ob die Mühe lohnt, ob Segen auf der Arbeit liegt, ob unser Tun durch Ewigkeitswert geprägt ist: das wird in der Stille vor Gott entschieden. Die erhobenen Hände weisen nach oben zu dem, der wirklich lenkt. „Es soll nicht durch Heer oder Kraft geschehen, sondern durch meinen Geist“ (Sach 4,6). Es ist nicht nur die Erfahrung Israels zu allen Zeiten (vgl. David gegen Goliath), sondern eine Grundlinie geistlichen Kampfes. Haben wird den Mose auf dem Berg unter uns in unseren Gemeinschaften, Gemeinden und Familien? Beten heißt ja nicht nichts tun. Beten heißt: mit Gott zusammenarbeiten. „Das Gebet ersetzt keine Tat; das Gebet ist aber eine Tat, die durch nichts ersetzt werden kann“ (Hans von Keler). Deshalb gilt auch: „Ein Mensch ohne Gott arbeitet, um nicht beten zu müssen. Ein Christ betet, um besser arbeiten zu können.“ Wie viel wird ohne Gott oder gegen Gott getan! Deshalb sagt Jesus: „Alles, was ihr tut ohne mich, ist ein Nichts“ (Joh 15,5). Das heißt eigentlich: Es führt ins Nichts; man steht schließlich mit leeren Händen da! Das gilt für all unseren Einsatz in Familie, Beruf und Gemeinschaft.
Mose nimmt den Stab Gottes in seine Hand: Dieser Stab ist das Zeichen der Macht und Gegenwart Gottes (2Mo 4,17) und erinnert ihn daran, dass Gott kann. Das Kreuz ist unser Zeichen. Wir dürfen in allem Kampf des Glaubens und beim Beten auf das schauen, was Jesus getan hat, sich seiner Macht und Gegenwart freuen und in ihm ruhen. Das gibt Sieg!

3. Mose braucht Helfer
Auch Mose, dieser Mann Gottes, konnte diesen Gebetskampf nicht allein durchhalten. Die Hände wurden ihm schwer – zu schwer! Wenn schon Mose den Kampf nicht allein durchstehen konnte, wie viel weniger erst wir! Allein geht man unter! Mose bekommt eine doppelte Hilfe:
- eine sachliche Hilfe.
Es ist der Stein, auf den er sich setzen und darauf ausruhen kann. Das ist im Glaubenskampf immer wieder wichtig: sich hinsetzen, sich ausruhen und sich an den Gaben Gottes freuen. Wie oft hat es mich schon erquickt, wenn ich mitten in starken Anforderungen mich einfach hinsetze, um dem Gesang der Vögel zu lauschen oder einen Sonnenuntergang zu beobachten.
Eine sachliche Hilfe können auch Bücher sein, die weiterhelfen und ermutigen; Auslegungen von Bibeltexten; ein Vortrag, ein Bibelseminar, eine Konferenz, eine Freizeit ...
- eine persönliche Hilfe.
Aaron und Hur stehen Mose zur Seite – links einer und rechts einer! Gott sagt uns dadurch deutlich: Du brauchst Brüder (und Schwestern) an deiner Seite. Diesen Dienst brauchen die Verantwortlichen in Gemeinschaft, Kirche und im Staat. Diesen Dienst brauchen wir auch in der Erziehung der Kinder. Das können die Paten sein oder die Großeltern: Sie stehen links und rechts und unterstützen die Eltern. Haben wir einen solchen Aaron und Hur an unserer Seite? Haben wir Menschen, die mit uns beten? Vor allem aber: Sind wir selbst ein solcher Aaron und ein solcher Hur? Wir haben miteinander und füreinander Verantwortung auf dem Glaubensweg. Wir sind sonst sehr gefährdet und können nicht lange weitermachen. Mit einer solchen Unterstützung jedoch konnte Mose durchhalten „bis die Sonne unterging“ – bis zum siegreichen Ende!

IV. Nicht vergessen
1. Aufschreiben
„Schreibe dies zum Gedächtnis in ein Buch und präge es Josua ein“. Warum? Weil wir im Blick auf die Wohltaten Gottes so schrecklich vergesslich sind. Wir haben ein erstaunlich gutes Gedächtnis, wenn es darum geht, das zu behalten, was andere uns Böses angetan haben. Wie oft tragen Menschen einander jahrzehntelang etwas nach – oft sind es Kleinigkeiten. Wir haben jedoch ein Gedächtnis wie ein Sieb, wenn es um die Wohltaten Gottes in unserem Leben geht. Doch genau sie dürfen nicht vergessen werden, weil sie wichtig für ein gesundes Glaubensleben sind – Ps 103,2.
Josua muss es für die nächste Generation und deren Nachkommen aufschreiben – jawohl: schriftlich festhalten! Diese Glaubenserfahrung darf weder vergessen noch inhaltlich verändert werden. Wir sind es der kommenden Generation schuldig, dass sie unsere Glaubenserfahrungen kennen lernen. Vielleicht können auch heute Eltern und Großeltern aufschreiben, welche Erfahrungen und Gebetserhörungen sie mit Jesus machten, und das ihren Kindern und Enkeln weitergeben unter dem Titel „Erfahrungen mit Gott heute“. Das alles kann nicht so nebenher geschehen – es muss sich „einprägen“. Das heißt doch: Es muss fester Bestandteil werden. Das ist die Größe des Volkes Israel, dass es von solchen Zeiten und Orten des Gedenkens her lebt. Israel lebt stark von der Geschichte und aus der Geschichte. Und weil dieses Volk so stark aus der Vergangenheit lebt, hat es auch eine Zukunft. Ein Volk, das seine Vergangenheit vergisst, hat auch keine Zukunft. Es ist geschichtslos und deshalb ein Spielball aller Mächte. Wir leben als einzelne Personen von Prägungen der Vergangenheit, die wir sehen und bejahen sollten, aber auch als Gemeinschaftsbewegung, als Kirche und als Volk.

2. Zeugnis geben
„Der Herr mein Feldzeichen“ (V. 15). Mose bekennt ganz persönlich seinen Glauben und seinen Gott. Es ist sehr wichtig, dass wir zeugnishaft weitergeben, was Gott bei uns getan hat und wie der gelebte Glaube konkret aussieht. Wir sollen nicht nur die Bibel auslegen, sondern auch zeugnishaft weitersagen, was Gott unter uns getan hat. Die nachfolgende Generation muss Lehre und Leben des Glaubens kennen lernen.

3. Gott allein die Ehre
Auffallend ist, dass einerseits Josua der Sieg zugesprochen wird (V. 13), andererseits Mose (V. 11). Ein Widerspruch? Nein! Beides gilt – und zwar ganz. Denn es war Gott, der durch Mose und durch Josua den Sieg wirkte. Deshalb wird ihm ein Altar gebaut und sein Name gerühmt. Deshalb wird festgehalten, dass er der Herr und Sieger ist – gestern, heute und morgen. Und deshalb gebührt allein ihm die Ehre – damals und heute!

Otto Schaude, Reutlingen

Impulse zur Veranschaulichung für Kinder und Erwachsene:
- Zu V. 8-16: Ausdauer ist gefragt: Wer kann am längsten seine Arme waagrecht ausgestreckt halten? Statt Moses Stab muss eine Wasserflasche in der ausgestreckten Hand gehalten werden.
- Welche Gebetshaltungen kennt ihr? Was wird dadurch ausgedrückt? In Israel wurde mit erhobenen Armen gebetet.
- Auch wir können einander durchs Gebet unterstützen: Jeder bekommt ein Kärtchen und notiert darauf ein persönliches Anliegen. Kärtchen einsammeln und neu verteilen. Wir beten in der nächsten Zeit für einander.

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