2. Mose 12,1-28

Die Nacht der Befreiung

Dass Jahwe sein Volk aus Ägypten herausgeführt hat, ist in Israel stets eine Grundaussage des Glaubens gewesen. Unser Bericht gehört zu den wichtigen Erfahrungen des Volkes Israel. Sie haben ihren Niederschlag in den sogenannten Glaubensbekenntnissen des Volkes gefunden. Zwei Zusammenfassungen der Heilsgeschichte finden sich in 5. Mose 26,5-9 und 5. Mose 6,20-24.

Die Einsetzung des Passahfestes
Bis zum heutigen Tag wird in den jüdischen Familien am Passahabend vom jüngsten Kind die Frage an den Hausvater gestellt. „Wodurch ist diese Nacht vor allen Nächten ausgezeichnet?“ Darauf folgt die Schilderung des Auszugs aus Ägypten. In der Haggada, dem liturgischen Buch des jüdischen Hauses, wird die Anweisung gegeben: „Der an der Feier Beteiligte soll die Schilderung als gegenwärtig empfinden, denn in jedem Geschlecht muss der Mensch sich ansehen, als wäre er selbst aus Ägypten gegangen.“
Das Passahfest ist nicht ein Fest der frommen Erinnerung, sondern ein „Fest für den Herrn“, ein Gedenktag und eine ewige Ordnung (V. 14). Einübung des Glaubens. Vom AT lernen wir als Christen, dass Bräuche und Feste für unser Leben wichtig sein können.

Das Zeichen der Verschonung
Das hebräische Wort päsach heißt „vorübergehen“. Gott geht an den Häusern der Israeliten vorüber (V. 7). Wo das Zeichen des Blutes sichtbar ist, werden die Häuser verschont. Für die Israeliten ist das Blut also ein Schutzzeichen. Israel wird aus dem Gerichtsgeschehen an Ägypten wunderbar ausgespart. Wo der „Verderber“ das Blut des Lammes sieht, geht er vorbei. Wir sollten als Christen über Zeichen und Formen nicht gering denken. Nach dem Heilswillen Gottes ist die Passahnacht die Erlösungsnacht des Gottesvolkes.

Gott setzt Zeit und Stunde
Der jüdische Kalender fängt nicht mit dem 1. Januar an. „Dieser Tag soll euch zum Gedenktag werden.“ Das Passahfest ist das erste der drei Hauptfeste, vom 14.-21. Nissan. Nach 5.Mose 16 muss jeder männliche Israelit zu diesem Fest erscheinen, später dann im Tempel zu Jerusalem (der zwölfjährige Jesus im Tempel, Luk 2,41-52). Das Passahfest demonstriert die Macht Gottes. Auf Moses Bitte an Pharao: „Lass mein Volk ziehen“ sagt Pharao noch verächtlich: „Wer ist Jahwe, auf dessen Stimme ich hören soll? Ich kenne ihn nicht.“
Pharao sitzt scheinbar am längeren Hebelarm. Aber wenn Gottes Stunde gekommen ist, wird die Welt aus den Angeln gehoben. Diese Tatsache feiert Israel in jener Nacht. Noch in der Knechtschaft feiert Gottes Volk seine Freiheit. Diese Sicht von der Freiheit der Kinder Gottes hat der Apostel Paulus im Auge, wenn er schreibt: „Als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten und doch nicht getötet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich“ (2.Kor 6,9,10a). Passahopfer für Jahwe. So sollt ihr essen (V. 11): im Zeichen des Aufbruchs, marschbereit, eure Sandalen an euren Füßen, eure Lenden gegürtet, essen in ängstlicher Eile, euren Stab in eurer Hand. Gott steht zu seinem Bund mit Abraham. „Wenn die Stunden sich gefunden, bricht die Hilf mit Macht herein.“

Anregungen zum Gespräch:
· Aus Sicht des Neuen Testaments erweist sich das Passahfest als Vorausdeutung auf den Tod Christi.
- Johannes der Täufer sagt von Jesus: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt (Joh 1,29).
- Jesus starb nach Joh 19,31 in der Stunde, als im Tempel die Passahlämmer geschlachtet wurden.
- Erst nach Ostern begreift die Gemeinde Christi, warum Jesus das Abendmahl in der Nacht des Passahfestes eingesetzt hat.
- Paulus formuliert in 1.Kor 5,7: „Wir haben auch ein „Oster“-Lamm, das ist Christus, für uns geopfert“.
- Wer am Mahl Christi teilgenommen hat, soll seine Botschaft weitersagen: „Lasset euch versöhnen mit Gott“ (2.Kor 5,20.21).

Helmut, Ehret, Pfarrer i.R., Waldachtal

Impulse zur Veranschaulichung für Erwachsene und Kinder:
Symbol für rotes Seil: Schafwolle oder ein Stück Fell, weil damals ein Lamm stellvertretend für die Menschen starb.
Zur Veranschaulichung könnte jeder ein Stück Fladenbrot oder noch besser Matzen (ungesäuertes Brot) aus dem Reformhaus erhalten sowie ein wenig Bitterkräuter (Symbol für die bittere Knechtschaft in Ägypten).
Ein Kind fragt, wie in V. 26: „Warum machen wir das?“, und einer erklärt den Brauch des Passahfestes.

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