1 Mose 40, 1-23

In der Dunkelkammer Gottes

Wieviel Brüche hält eine Biographie aus?
Von der Sonnenseite des Lebens durch menschliche Bosheit brutal und gedankenlos in den Schatten gestoßen. In der eigenen Familie ist kein Raum für kindlichen Stolz und 'große' Brüder sehen angesichts der naiven Eitelkeit eines Dreikäsehochs nur noch rot. Fremde Menschen behandeln den Fremden als Fremden. Von 'beneidet und verhasst' über 'verraten und verkauft' bis hin zu 'hintergangen und verleumdet' gehen die Erfahrungen, die Joseph machen 'durfte'. Welcher Gott kann so etwas zulassen?

Lebendig begraben...
Auf manch einem trampelt das Leben unglaublich herum und immer noch ist eine Steigerung möglich: den zwei völlig verschreckten Höflingen begegnet der dumme hebräische Sklave mit verblüffender Sachkompetenz. Man spürt die Wahrheit hinter den Worten seiner Lebensprognosen. Beflügelt von neuer Hoffnung verspricht man, ein gutes Wort beim Landesherren einzulegen ("Ja, wenn ich hier mal rauskomme, dann ..."). Jedoch verdrängt die Sonne der königlichen Gunst alle dumpfen Erinnerungen an verzweifelte Tage in finsteren Verliesen und der kleine 'Blechnapfkellner' ist Vergangenheit. Nach ein paar Wochen wird Joseph klar, dass er von dieser Seite nichts zu erwarten hat - am Schlimmsten ist es noch, dass es niemanden kümmert ... "Herr, wie lange willst du mich so ganz vergessen?" (Ps 13,2)

... dennoch bleibe ich stets an Dir! (Ps 73,23)
Man ist erstaunt mit welch einer ruhigen Gelassenheit Joseph die allerdunkelste Zeit seines Daseins erlebt. Gewissenhaft und umsichtig tut er seine Arbeit, als wäre da kein Unterschied zu der angesehenen Verwalter-Tätigkeit in Potifars Haus. Er erwirbt sich durch seine unaufdringliche fröhliche Art das Vertrauen des Gefängnisdirektors und wird schließlich sogar mit der nicht ganz einfachen Betreuung der beiden in Ungnade gefallenen hohen Beamten beauftragt. Diese müssen mit ausgesuchter Höflichkeit und Vorsicht behandelt werden, denn kein Mensch weiß, wann die Laune des Pharao wieder umschlägt und er 'seine Lieblinge' rehabilitiert sehen will - ein heikles Geschäft. Doch unbefangen und aufmerksam begegnet Joseph den hohen Herren, nimmt ihre Verstörung wahr und wagt sich sogar auf das dünne Eis der Traumdeutung. Konfrontiert die, die es gewohnt sind, in solchen Angelegenheiten Sachverständige zu konsultieren, mit der schlichten Information: "Träume auslegen kann nur Gott allein." Und stellt damit die Traumdeuter aller Zeiten in die 'Scharlatan-Ecke' (wo sie auch hingehören ...). Zu keiner Zeit ist von Joseph ein Wort der Anklage gegen seinen Gott zu hören. Nirgendwo spürt man Distanz zu dem, der sein Geschick dunkel, hart und unverständlich lenkt. Statt Verzagtheit und Resignation schimmert bei Joseph sogar etwas wie 'Glaubensheiterkeit' durch. Das einzige Mal, wo wir Joseph völlig erschrocken sehen, ist, als Potifars Frau sich ihm anbietet und er hinter der Verlockung die Sünde gegen seinen Gott entdeckt: "Wie sollte ich denn nun ein solch großes Übel tun und gegen Gott sündigen?" (39,9). Das beständig widrige und unsichere Geschick, das unverständliche Führen und die Ausweglosigkeiten haben Joseph nicht am Zeugnis seines Vaters Jakob zweifeln lassen: "Gott hat mich erhört zur Zeit meiner Trübsal und ist mit mir gewesen auf dem Weg, den ich gezogen bin" (35,3). Die Lebenssumme Jakobs wurde zur eigenen, gereiften Erfahrung.

Fragen zum Gespräch:
Wie gehen wir mit dem Gefühl um, im Leben 'zu kurz' gekommen zu sein?
Wie finden wir Frieden über schwere Wegführungen?

Für Kinder:
Die Gefängnisszene kann nachgespielt werden. Die Darsteller können sich in ihre Rolle hineindenken und hineinfühlen: sie können erzählen, wie 'ihr' Leben bisher ausgesehen hat und was sie sich für 'ihre' Zukunft erträumen.

Carsten Schröder, Satteldorf

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