1. Mose 39,1-23

"Und der Herr war mit Josef..."
Josef wurde von einer ismaelitischen Karawane nach Ägypten gebracht und dort als Sklave verkauft. Scheinbar unbarmherzig vollzog sich der große Sturz vom bevorzugten Sohn des Beduinenfürsten Jakob zum Sklaven in Ägypten, der schließlich im Gefängnis landete. Aber Gott hatte Josef nicht vergessen, sondern einen bestimmten Plan, wie Josef am Ende selbst bekennt: "Gott hat mich hierher gesandt" (1. Mose 45,8).

Der Segen des Glaubens
Josef als Sklave, das war noch schlimmer als vorher, als er von den Brüdern verachtet und gehasst wurde. Josef im Arbeiterschurz, während er daheim das Festtagsgewand tragen durfte. Josef als Arbeiter, der zwar das Schafehüten gewohnt war, aber zuhause auch Bildung erhalten hatte. Josef fern von zuhause, wo er früher kaum das Zelt seine Vaters verließ. In dieser völlig veränderten Situation hätte Josef verzweifeln können. Über seine Gemütslage ist uns nichts überliefert, aber wir hören von Gottes Beistand. Diese Nähe Gottes erwiderte Josef mit dem Glauben und wurde daher von Gott gesegnet.
Fünfmal finden wir die Aussage, dass Gott mit seinem Segen ganz offensichtlich bei Josef war:
V2: Der Herr war mit Josef, so dass ihm alles glückte.
V3: Potifar sah, dass der Herr mit ihm war.
V3: Alles, was Josef tat, ließ der Herr glücken.
V5: Der Herr segnete das Haus Potifars.
V5: Der Segen des Herrn war über allem, was Potifar hatte.
Potifar vertraute dem hebräischen Sklaven alles an. So wurde Josef vom Befehlsempfänger zum Entscheidungsbevollmächtigten. Er wurde dem Potifar zum Partner. Jener kümmerte sich nur noch um sein Essen und Trinken, denn das nahm er als Ägypter nicht mit dem Hebräer ein, wie es in 1. Mose 43,32 heißt, dass dies den Ägyptern ein Gräuel gewesen sei.

Der Preis der Standhaftigkeit
So blieb es sicherlich ein paar Jahre, aber dann warf Potifars Frau nicht nur ein Auge auf Josef und forderte ihn zum Beischlaf auf. Hier stellt sich immer wieder die Frage: Tat sie das, weil Potifar ein Eunuch war und die Ehe nicht vollziehen konnte? Die Bezeichnung "Kämmerer" könnte darauf schließen lassen, denn in der Antike war diese Position oft mit Eunuchen besetzt. Aber selbst wenn Potifar kein Eunuch war, ist nachvollziehbar, dass seine Frau Gefallen an Josef finden konnte. Schließlich ging Josef im Haus ein und aus, während Potifar dienstlich oft am Königshof weilte. Zudem berichtet uns die Bibel: "Josef war schön an Gestalt und hübsch von Angesicht." (V.6)
Täglich weigerte sich Josef standhaft gegen das Drängen der Frau. Der Beischlaf kam für ihn in zweifacher Hinsicht nicht in Frage: Es wäre ein Vertrauensbruch gegenüber Potifar und zugleich eine Sünde gegen Gott gewesen. Obwohl die 10 Gebote noch nicht offenbart waren, wusste Josef um die Unverbrüchlichkeit der Ehe und dass Ehebruch Sünde gegen Gott ist.
Als die Frau eine Gelegenheit beim Schopfe und Josef am Kleid packte, floh Josef. Auch er war ein Mann mit natürlichen Trieben. Er wusste, dass er in dieser Situation nur noch fliehen konnte, um widerstehen zu können. Paulus fordert auch zur Flucht auf: "Fliehet die Unzucht!" (1. Korinther 6,18).
Der Preis der Standhaftigkeit, den Josef zu bezahlen hatte, war sehr hoch. Er musste ins Gefängnis. Das war für Josef der tiefste Abstieg, nicht zu vergleichen mit seinen ersten Tagen in der Sklaverei.
Aber auch dort bewährte sich wieder sein Glaube. Gott konnte ihn als ein Werkzeug gebrauchen und ihn damit zum Zeugnis setzen. Auch hier heißt es wie schon in Potifars Haus: "der Herr ließ ihn Gnade finden". Auch der Gefängnisaufseher machte es sich bequem und übergab Josef, dem offensichtlich alles glückte, die Aufsicht über das ganze Gefängnis. Hier zeigt sich: Auch wenn Josef noch so tief hinunter geführt wurde - der Herr war bei ihm!

Fragen zum Gespräch
1. Segnet Gott meiner Hände Werk sichtbar?
2. Bin ich am Arbeitsplatz beliebt, weil Gott mich sichtbar segnet?
3. Kann ich Verlockungen widerstehen, die so leicht zu greifen sind?
4. Bleibe ich Gott und seinen Geboten treu, auch wenn das Nachteile mit sich bringt?

Pfarrer Ekkehard Graf, Owen

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